Happy new Year? Silvester mit Hund: So kommt ihr gut durch den Jahreswechsel

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„Hä? Silvester? Stahl, wir haben März – Frühlingszeit! da hab ich doch keinen Bock mehr an Silvester zu denken. Wat soll dat dann?“

Schon die Weihnachtszeit ist für viele Hunde stressig, aber Silvester ist für die meisten – wie für fast alle anderen Wild-, Nutz- und Haustiere auch – ein Albtraum. Nur zu gerne würden sie auf das ohrenbetäubende Knallen des Feuerwerks verzichten, auf das Zischen, die Gerüche nach Schießpulver. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sind schon am Morgen tierisch aufgeregt und freuen sich auf den Jahreswechsel. Ein Umstand, den dein Hund nicht versteht und ziemlich Kacke findet. Der Trubel, die Aufregung und das Abweichen von seiner Tagesroutine machen ihn zusätzlich nervös. Wie du deinen Hund an Silvester beruhigst und mit ihm diese anstrengende Nacht gut überstehst, liest du hier.

01 Warum haben Hunde an Silvester Angst?

Hunde können Schallwellen bis zu einer Frequenz von etwa 1 000 000 Herz wahrnehmen – junge Menschen mit einem guten Gehör hören bis in den Frequenzbereich von 20 000 Herz. Grob vereinfacht könnte man also sagen, dein Hund hört fünfmal so gut wie du. Dass das Knallen und Pfeifen eines Feuerwerks in Verbindung mit den ungewohnten schwefeligen Gerüchen, die beim Abbrennen eines Feuerwerkskörpers als Reaktionsprodukte entstehen, für Hundeohren und -nasen eine Herausforderung ist, wird sicher niemand bezweifeln. Dennoch gibt es Hunde, die der Trubel der Silvesternacht kaltlässt und andere, die schon beim ersten Knallfrosch in Panik geraten.

Für die Silvesterangst bei Hunden gibt es unterschiedliche Auslöser. Manche Hunde haben so lange kein Problem mit dem Feuerwerk, bis sie die Geräusch- und Geruchskulisse mit einer schlechten Erfahrung verknüpfen. Mit seinen vielen Reizen hat ein Feuerwerk leider auch das Zeug dazu, deinen Hund dauerhaft zu konditionieren: Er hört das leise Zischen der Rakete, erschrickt sich vor dem Knall, spürt die Bodenvibrationen, sieht die grellen Lichtblitze und riecht den typisch schwefeligen Geruch.

Andere Hunde reagieren nervös, weil sie in ihrer Sozialisierungs- und Prägephase als Welpe und Junghund zu wenig unterschiedliche Reize kennengelernt haben und deswegen generell auf Unbekanntes verunsichert reagieren. Am spannendsten ist allerdings die eine Sache. Nämlich: die Unfähigkeit von uns Hundehaltern unserem Hund den Stress zu nehmen. BÄHM. Und wenn wir mal ehrlich sind, dann müssen wir uns eingestehen, dass schon 364 Tage vor Silvester irgendwas zwischen unserem Hund und uns „nicht so läuft“. Silvester ist einfach nur DER Tag, an dem wir das echte Ausmaß dessen sehen. Denn wir sehen einen gestressten Hund, der von uns nicht ausreichend Sicherheit vermittelt bekommen hat. Nicht aus bösem Willen, das ist klar. Sondern einfach aus Unwissenheit, aus Ungeübtheit, aus Angst zu versagen, aus „ich verstehe dich nicht“, aus „ich lenke dich ab“ – Strategien.

02 Kann ich meinen Hund an Silvester allein zu Hause lassen?

Auch wenn dein Vierbeiner bisher keine Probleme mit der Silvesterknallerei hatte, solltest du ihn auf keinen Fall über den Jahreswechsel allein lassen. Silvesterangst kann sich spontan, durch eine negative Erfahrung oder Fehlverknüpfung, entwickeln. Auch wenn dein Hund sich ruhig verhält, kannst du davon ausgehen, dass er an Silvester einer starken Reizüberflutung ausgesetzt ist. Die ungewohnten Gerüche beißen in der feinen Nase, der ohrenbetäubende Lärm stört das sensible Gehör und die Lichtblitze blenden seine für das Dämmerungssehen optimierten Augen. Er braucht dich als starke, zuverlässige und gelassene Bezugsperson, um sich sicher fühlen zu können.

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03 Wie kann ich meinen Hund auf Silvester vorbereiten?

Hunde sind Gewohnheitstiere – sie lieben ihre Routine, weil sie ihnen Sicherheit und Orientierung im Tagesverlauf gibt. Am besten beginnst du den Silvestertag ähnlich wie jeden anderen Tag und sorgst lange bevor die ersten Böller knallen für eine gute  ausgiebige Gassirunde. Es bietet sich auch hervorragend an, mit deinem Hund ein paar Gehorsamsübungen zu machen. Denn dein Hund und du kräftigt durch Gehorsamsübungen eure Beziehung durch klare Absprachen und Verlässlichkeit – genau das wird dein Hund ein paar Stunden später von dir brauchen! Achte aber darauf, dass du ihn schon Stunden vor dem Silvesterspektakel nicht von der Leine lässt.

GANZ heißer Tipp: beginne mit Gehorsamsübungen bereits ein paar Tage VOR Silvester. Es geht nichts über Sicherheitsroutine zwischen deinem Hund und dir 🙂

Am letzten Tag des Jahres werden jedes Jahr hunderte Tiere als vermisst gemeldet. Waren es zum Jahreswechsel 2020 auf 2021 noch 331 entlaufende Hunde und 208 Katzen, wurden in der Silvesternacht 2021 454 Hunde und 275 Katzen vermisst gemeldet. Weißt du, dass dein Hund unter Silvesterangst leidet, solltest du die letzte Gassirunde auf den frühen Nachmittag verlegen und gegebenenfalls über die Anschaffung eines Sicherheitsgeschirrs oder über die Anschaffung eines – und das ist für alle Zwecke MEIN Favorit – Zugahlsbands mit Stopp nachdenken. Denn einige Hunde geraten derart in Panik, dass sie sich sogar aus ihrem Geschirr winden und von der Leine losreißen. Mit einem richtig eingestellten Halsband ist das unmöglich! Es wirkt wie ein Lasso und zieht sich bis zum eingestellten Stopp (engste Stelle des Halses = direkt im Nacken) zu. So kann dein Hund sich nie befreien. Auch das Tragen eines GPS-Trackers ist besonders um den Jahreswechsel herum eine großartige Idee: So weißt du immer genau, wo du deinen verängstigten Hund finden kannst.

So bereitest du deine Wohnung für ein Silvester mit Hund vor:

  • Sorge für eine ruhige und entspannte Atmosphäre.
  • Schließe die Fenster, lass die Rollläden herunter oder ziehe die Gardinen zu. Das dämpft die Geräusche und schirmt Lichtblitze ab.
  • Richte deinem Hund einen gemütlichen Rückzugsort ein, den er jederzeit aufsuchen kann.
  • Lass ihm aber die Möglichkeit, deine Nähe zu suchen, wenn er möchte.
  • Hunde mögen gerne Höhlen: Ein Platz unter einem Tisch oder eine gemütlich eingerichtete Box gefällt den meisten Hunden.
  • Über Kauen und Lecken bauen viele Hunde Stress ab. An einem Kauknochen, einem gefüllten Snackspielzeug oder einem Stück Rinderkopfhaut kann dein Hund sich regelrecht abarbeiten. Das beruhigt vordergründig, ersetzt aber NIE die tiefe Ruhe über ein Stressmanagementsystem!
  • Stelle frisches Trinkwasser an seinem Rückzugsort bereit.

BEACHTE: eine Ablenkungsstrategie über Spielzeug und Leckerlis ist immer immer immer Mist!

04 Was beruhigt den Hund bei Feuerwerk?

Lange wurde behauptet, dass du die Angst deines Vierbeiners ignorieren solltest, um ihn nicht darin zu bestärken, da er deine Reaktion als Bestätigung seiner Angst werten könnte. Diese Annahme ist aber längst widerlegt. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Bemitleiden und Halt geben. Überlasse deinen verstörten Hund nicht sich selbst, sondern gib ihm Nähe, wenn er diese einfordert. Bleibe bei ihm und biete ihm Körperkontakt an, ohne ihn zu bedrängen oder zu trösten. Lass ihn entscheiden, ob er sich zurückziehen oder lieber in deiner Nähe sein möchte und verhalte dich so souverän und normal wie möglich. Aber vor allem: reguliere seine Gefühle indem du artgerecht kommunikativ eingreifst – siehe STRESSMANAGEMENTSYSTEM!

Und jetzt: aufgepasst! Diese Infos hier habe ich in einem Flyer beim Tierarzt gelesen:

05 Kann ich meinem Hund an Silvester Medikamente zur Beruhigung geben?

Für Hunde, die unter extremer Silvesterangst, also regelgerechten Angstzuständen, leiden, gibt es eine Auswahl an Medikamenten, die Linderung verschaffen können. Eine solche panische Angst sollte tatsächlich medikamentös behandelt werden, weil die betroffenen Tiere unter enormen Stress stehen. Wichtig ist aber: Jegliche Medikamente müssen tierärztlich verordnet werden, die Dosierungsanweisungen müssen strengstens befolgt werden und auf keinen Fall dürfen Beruhigungsmittel aus dem Humanbereich zur Anwendung kommen. Wende dich am besten an eine Tierarztpraxis, in der man deinen Hund und seine Krankengeschichte kennt – so können Risiken und Nebenwirkungen effektiv abgewogen werden. Die Medikamente, die zum Einsatz kommen, bekämpfen die Stress- und Angstsymptomatik mit sehr unterschiedlichen Wirkmechanismen. Manche wirken akut, andere müssen über einen gewissen Zeitraum eingenommen werden, um ihre Wirksamkeit zu entfalten. Am besten vereinbarst du schon einige Wochen vor dem Silvesterabend deinen Beratungstermin in der Tierarztpraxis.

Acepromazin – ein veralteter Behandlungsansatz

Früher wurde Hunden mit Silvesterangst häufig das Neuroleptikum und Sedativum Acepromazin verschieben. Lange war man von seiner Wirksamkeit überzeugt, weil die Hunde tatsächlich sehr still und passiv waren. Doch schon seit einigen Jahren weiß man, dass das Geräuschempfinden und die damit verbundene Angst durch den Wirkstoff nicht eingeschränkt wird. Dein Hund hat also genauso viel Angst wie vorher, kann es aber nicht mehr zeigen – was seinen Stresslevel zusätzlich erhöht. Acepromazin sollte bei Silvesterangst daher auf keinen Fall zum Einsatz kommen!

06 Gibt es pflanzliche oder homöopathische Beruhigungsmittel für Hunde an Silvester?

Es lohnt sich, über den Einsatz pflanzlicher oder homöopathischer Mittel zur Beruhigung nachzudenken. So schwören manche Hundehalter:innen zum Beispiel auf Bachblüten-Tropfen oder CBD-Öl zur Beruhigung. Doch auch diese nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel solltest du tierärztlich abklären lassen – umso mehr, wenn dein Hund andere Medikamente einnimmt – um eventuelle Wechsel- und Nebenwirkungen auszuschließen.

Unkritisch hingegen sind Präparate, die auf Pheromone setzen. Pheromone sind chemische Botenstoffe in Form von Duftstoffen. Das sogenannte Dog Appeasing Pheromone (DAP) wird von der Mutterhündin in der Zitzenregion produziert und hat auf die Welpen eine beruhigende Wirkung. Auch erwachsenen Hunden können Pheromone ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Entsprechende Pheromon-Präparate werden in Form von Zerstäubern, die du in die Steckdose steckst, Halsbändern und Sprays angeboten. Nicht über die Nase, sondern über die Ohren wirken Tiefenentspannungs-Trainer. Mit hochfrequenten, speziell für Hunde entwickelten Tonfolgen sollen sie für Entspannung sorgen.
Probiere die verschiedenen Präparate – bei Bedarf auch nach tierärztlicher Rücksprache – am besten bereits im Vorfeld einmal aus und mache dich mit ihnen und den Auswirkungen auf deinen Hund vertraut.

Darüber hinaus können auch sogenannte Mutt Muffs deinem Hund helfen: Diese Ohrenschützer für Hunde senken den Geräuschpegel deutlich und sofort. Allerdings musst du das Tragen der Ohrenschützer schon einige Wochen vor Silvester üben, denn wenn dein Hund erst Angst entwickelt hat, hat er sicher keinen Nerv für Experimente. Auch ein ThunderShirt ist eine gute Idee. Diese Beruhigungsweste für Hunde liegt hauteng am Hundekörper an und hilft durch den sanften, konstanten Druck – ähnlich dem Effekt des Puckens bei einem Baby – deinem gestressten Hund zu entspannen.

Nicht medikamentöse Alternativen für Hunde mit Silvesterangst

  • homöopathische Mittel
  • andere pflanzliche Mittel wie z. B. Bachblüten
  • Produkte auf Pheromonbasis
  • akustische Tiefenentspannungs-Trainer
  • Mutt Muffs
  • ThunderShirts

Meine Stellungnahme zu 05 und 06: wenn ich so etwas lese passiert in mir etwas, das ich hier mal mit „absolutem Widerstand“ benennen will. Wer schon mal Comics von Asterix und Obelix gelesen hat, erinnert sich vielleicht an die Sprechblasen in denen nur noch Symbole vorkommen, etwa Explosionen, Wirbelwinde und zur Faust geballte Hände… So fühle ich mich auch, wenn ich so etwas lese. Warum ist das so? Erstens, weil solche Empfehlungen darauf hinweisen, dass hier jemand überhaupt nicht verstanden hat, wie Biologie funktioniert und zweitens, weil es Ausdruck eines gesellschaftlichen Phänomens ist, welches quasi epidemiologisch istund immer wieder für großen Schmerz sorgt: die Unfähigkeit mit Gefühlen umzugehen. Einmal mit denen anderer Mitgeschöpfe, aber auch unseren eigenen.

„iiiiiiiihhhhhhh…..!“ Wird vielleicht mancher von euch an dieser Stelle denken. „Och nö, komm mir doch jetzt nicht so!“. Pass auf, lass uns doch mal kurz einen Blick in unsere Gegenwart werfen. Ich bin eine 44 Jahre alt Frau und habe Eltern, die ca. Mitte sechzig sind. Meine Großeltern habe ich lange miterlebt. Wenn wir diese Zeitrechnung betrachten auf der Grundlage unserer eigenen Familienmitglieder, dann können wir davon ausgehen, dass jeder von uns einen direkten Bezug über Familienmitglieder zu den letzten 100 Jahren hat.

Wenn ich an meine Urgroßmutter denke, dann auch daran, dass sie mit meinem Urgroßvater 16 Kinder hatte. Meine Oma war das Zweitjüngste. Das jüngste Kind verstarb mit ca. einem Jahr. Von diesen 16 Kindern blieben meinen Großeltern 12 am Leben. Die vier anderen starben im Alter zwischen 0 und 5 Jahren an Grippe und anderen Infektionen. Als bergische Bauern konnten sie sich einen Arzt nicht leisten. Die ältesten Kinder arbeiteten entweder Zuhause oder ab dem Alter von 12 Jahren für die Papierfabrik Zanders. Im Krieg starben zwei von drei Söhnen. Meine Oma wurde im Alter von sieben Jahren verschickt, für ein Jahr, um sie vor dem Krieg zu schützen – wie so viele andere.

Mein Opa wurde im Alter von 18 Jahren zum Nazi-Wehrdienst eingezogen und kam mit seiner Persilkiste, Geld für einen Koffer gab es nicht, irgendwo an die See. In der Grundausbildung nahmen sich viele Kameraden lieber im Meer das Leben anstatt nachher in den Krieg zu müssen. Mein Opa diente bei der Flak und schoß gegnerische Flugzeuge ab. Er überlebte den Krieg, weil er in Baden-Württemberg, am Rhein liegend, mit ein paar Kameraden desertierte. Sie bauten aus alten Fässern ein Floß und paddelten über den Rhein um sich auf der anderen Seite von den Aliierten gefangen nehmen zu lassen.

Als ich 15 war fand ich ihn weinend über das Gartentörchen gebeugt, seine Ernte 23 rauchend. Er erzählte, dass er im Krieg mit seiner Einheit nach Paris kam. Sie nahmen Widerstandskämpfer gefangen. Die Erinnerung an die folgende Exekution der Männer und Frauen im Hinterhof holte ihn an diesem Abend wieder ein. Mein Opa versuchte wohl, es bleibt familiär im Nebel, sich mehrfach das Leben zu nehmen. Zeitlebens war er Alkoholiker.

Meine andere Oma bettelte als Kind an dem Bauernhof in dem ich jetzt mit meiner Familie lebe. Vater starb an Staublunge, Bergbau. Die Mutter zwei Jahre später. Mit 12 war sie Vollwaise und wurde mit ihrem jüngeren Bruder ins Waisenhaus gegeben.

Mein Opa kam in russische Kriegsgefangenschaft und wurde zur Zwangsarbeit gezwungen. Irgendwann gab ihm der Bauer zwei Kilo Zucker und sagte „Lauf nach Hause.“. Was er dann auch getan hat.

Je weiter wir in unserer deutschen Geschichte zurück gehen, desto übler wird es: zweiter Weltkrieg, erster Weltkrieg, Industrialisierung… man trifft immer wieder auf dieselben Motive: Trennung, Verlust, Armut, Schmerz, Grausamkeit. Eure Familiengeschichte liest sich wie meine, da bin ich sicher. Und daran lässt sich gut erkennen, wieso wir HEUTE dastehen und einfach nicht genau wissen WIE wir, zum Geier, uns und andere regulieren sollen. Dieses Wissen ging durch unser kollektives Erleben einfach verloren und wurde ersetzt durch Ablenkungsstrategien, Zucker, Fett, Spielzeug, Leckerlis, Bonbons und so weiter. Der Punkt ist ja, dass keiner den Scheiß braucht. Wir aber nicht wissen wie es anders funktioniert. Und dann, dann kommt Silvester. Und unser Hund rastet völlig aus. Und wir sind hilflos und wissen nicht was wir tun sollen. Und dann kommt die Industrie um die Ecke, die es nur gibt, weil wir so viel konsumieren. Und die Industrie bietet uns ne Lösung für unseren Pain an : Spielzeug, Leckerlis, Medikamente, homöopathische Mittelchen, Mäntel, Taschen, Decken… Und sie machen ne Menge Kohle mit deinem Hund und dir. Die Alkohol- und Zigarettenindustrie mit meinem Opa ja auch…

Und, Leute, das geht mir so richtig gegen meinen Moralstrich! Klar, du kannst deinem Hund Medikamente beim Tierarzt holen und sie ihm geben. Das gibt DIR ein Gefühl von Sicherheit. Denn das Problem ist ja, wenn wir unwissend sind, dann fühlen wir uns auch unsicher. Und wenn wir uns unsicher fühlen – und das ist kein geiles Gefühl – dann suchen wir die Sicherheit im Altbewehrten. Deshalb, und das wissen alle, die bei mir im Training sind oder waren oder einen Onlinekurs gekauft haben, ist Stress ein Kernthema in meinem Training. Aber was braucht man für eine Veränderung? Man braucht Schmerz, sonst sucht man nicht nach einer Lösung. Und man braucht Mut und Vertrauen und eine führende Person um in die Veränderung zu kommen. Nur Veränderung ist nachhaltig und ERLÖSEND. Genau DAS ist mein Wunsch für dich und deinen Hund!

Aber hey, auch ne coole Lösung für das Silvesterproblem ist: ich verschiebe einfach das Problem und fahr in den Urlaub! Dann musst du weder bei der Industrie kaufen, noch musst du dich verändern und kannst so dem Veränderungsschmerz entgehen. Ja, wie geil ist das denn?! Tja, das musst du dann nur durchhalten bis dein Hund nicht mehr lebt… Zwinker, Zwinker.

07 Kann ich meinen Hund an Böller und Feuerwerk gewöhnen?

Die gute Nachricht lautet: „Ja, du kannst deinen Hund an Böller und Co gewöhnen.“. Zur Desensibilisierung gegen die Silvesterangst werden im Handel CDs mit Feuerwerksgeräuschen angeboten. Die Idee ist, dass du die CD bei geringer Lautstärke abspielst und über die Zeit die Lautstärke und die Abspieldauer steigerst, bis dein Hund verinnerlicht hat, dass ihm beim Feuerwerk keine Gefahr droht. Die Wirksamkeit der Methode ist umstritten, zumal die Silvestergeräusche auch nur eine Angstquelle für Hunde sind.
Und unter uns, so ne CD ist natürlich bescheuert. An Silvester hat man stark olfaktorische (Geruch) Reize, Lautstärke und Lichteffekte. Was will man da mit einer CD? Die Lösung wäre eine Desensibilisierung über Feuerwerk itself. Aber wer von uns hat ausreichend Pyrotechnik im Gartenschuppen? Du könntest aber mit deinem Hund laute Plätze aufsuchen an denen es auch verbrannte Gerüche und plötzliche Geräusche gibt. Baustellen etwa oder einen Steinbruch. Aber mit Plan in der Tasche!

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08 Silvester mit Hund ohne Feuerwerk: Die schönsten Reiseziele

Jo, und hier kommt sie, die wahrschlich netteste Ablenkungsstrategie: URLAUB 🙂 Eine tolle Lösung wie du deinem Hund und dir zu einem böllerfreien Silvester verhelfen kannst, ist ein Urlaub mit Hund über Silvester. So ersparst du dir Training, Vorbereitung und Sorgen und dein Hund kommt stress- und knallfrei durch die Silvesternacht. Juhuuuu! Am besten wählt ihr einen Ort, an dem ein generelles Feuerwerksverbot gilt. In Deutschland ist das auf den Nordseeinseln Spiekeroog, Sylt und Amrum der Fall. Auch die Insel Föhr schränkt das Feuerwerk erheblich ein. Im Wattenmeer und im gesamten Nationalpark Harz gilt ein flächendeckendes Feuerwerksverbot. Ebenso schränken viele historische Altstädte, Vogelschutzgebiete und Nationalparks das Abbrennen von Feuerwerkskörpern deutlich ein.

Ausland lohnt sich auch: In Frankreich zum Beispiel hat das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk keine so ausgeprägte Tradition wie in Deutschland. Gerade im ländlichen Bereich hast du gute Chancen auf ein komplett böllerfreies Silvester mit Hund. Auch in der Schweiz werden zum Jahreswechsel keine Raketen gezündet. Auf der beliebten dänischen Ferieninsel Rømø herrscht ein komplettes Feuerwerksverbot und in Schweden wurde der Verkauf von Silvesterfeuerwerk stark eingeschränkt: Seitdem nur noch Personen mit einem Berechtigungsschein Feuerwerk erwerben dürfen, hat die Silvesterknallerei deutlich abgenommen.

Generell gilt auch, dass du in abgelegenen Gegenden, wo der nächste Nachbar kilometerweit entfernt ist, gut aufgehoben bist. In den Bergregionen in Bayern, Österreich, der Schweiz oder Südtirol findest du zum Beispiel abgelegene Berghütten, die dir eine ruhige Silvesteratmosphäre garantieren. Wenn dir das zu zünftig ist, kein Problem: Wenn du über Silvester mit deinem Hund Urlaub im Hotel machen möchtest, wirst du ebenso fündig: Einige Hotels die abgelegen oder in einer Gegend mit Feuerwerksverbot liegen, haben sich auf ein knallfreies Silvester mit Hund spezialisiert. Hier musst du nur daran denken, frühzeitig zu buchen, weil die Zimmer schnell ausgebucht sind.

Wie ihr seht, die alte Strategie: „ich streue Zucker auf die Kacke, dann ist es zwar Kacke, ABER mit Zucker!“ kann auch schön sein 🙂

Liebe Grüße, deine Bianca

Hi, ich bin Bianca!

Seit 2007 züchte ich Hunde, ich habe Bio studiert und diesen Lernort "Hund" gegründet. Neben den Hunden und dem Schreiben ist Biologie - die Lehre von lebenden Systemen - meine heiße Leidenschaft! Verantwortungsvolle Hundehaltung beginnt mit Wissen! Ich will, dass du informierte Entscheidungen für deinen Hund und dich treffen kannst. Deshalb erkläre ich hier wissenschaftliche Erkenntnisse und helfe dir bei der Einordnung.

Bis demnächst, deine Bianca

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