Bild: Bianca Stahl
Wenn du mich schon länger kennst, dann weißt du: ich bin Hundezüchterin. Und wenn du mich gerade erst kennen lernst, dann weißt du jetzt auch: Bianca Stahl ist Hundezüchterin. Was züchte ich? Ich züchte Dackel. Das mache ich in einem VDH-Verein und ich bin vom Veterinäramt als Züchterin zugelassen. So, da fängts ja schon an. Der eine denkt sich: WOW! Hundezüchterin. Andere fragen sich was das eigentlich alles soll mit den Züchtern, denn es sitzen so viele Hunde in Tierheimen fest, um die sollte man sich zuerst kümmern, bevor man einen Rassehund kauft. Assoziationen an den aufdrappierten rosa Pudel mit Gewinnerschleife tauchen genauso auf wie Gedanken an Züchter, die Welpen als Produkte sehen und Geld verdienen wollen.
Ich würd sagen: ran an den Speck! Da wollen wir doch mal Ordnung machen.
01 Rassezucht: Vor- und Nachteile
02 VDHDTKMRKFCIVSP…Ohjemine!
03 Die eigene Zuchtstätte
04 Zuchtzulassung
05 Welpen machen!
06 Fazit
01 Rassezucht: Vor- und Nachteile
Rassezucht, ist das grundsätzlich eine gute Idee? Aaaalso, erst einmal müssen wir uns bewusst machen, dass Hunde Nutztiere sind. Waaaas? Mein Hund ist doch kein Nutztier! Er ist mein bester Freund, Partner, Kind. Ja, ganz genau. Und deswegen hat sich die „Nutzung“ von Hunden verschoben. Weg vom brauchbaren und unverzichtbaren Mitarbeiter auf dem Hof, bei der Jagd und im Krieg, hin zu unserem Begleiter. Das ist für viele von uns bitter, aber die Realität.
Hunde sind Wegbegleiter von Menschen seit vielen Jahrtausenden. Die einen meinen seit ca. 40 – 50 Tausend Jahren, andere gehen von ca. 10 Tausend Jahren aus. Hunde, genauso wie Pferde, begleiten damit die Evolution des Menschen seit X-Generationen und sind äußerst wichtig für uns. Menschen selektierten Wölfe, durch diese Selektion (ZUCHT!) entstand nach und nach der Hund mit verändertem Genom zum Wolf. Diese veränderte Genetik ist im Grunde Zucht. In dem Moment, wo ich entscheide welche Eigenschaften die nächste Generation haben soll, züchte ich.
Und da sind wir auch schon beim ersten Punkt: Zucht ist ein System mit Kontrolle. Wie scharf diese Kontrollen gesetzt werden, darauf komme ich noch später zu sprechen, denn auch hier ist Kontrolle nicht gleich Kontrolle, also Zucht nicht gleich Zucht.
In seriöser Hundezucht geht es also NICHT darum süße Hundewelpen zu haben, sondern genetische Eigenschaften einer Gruppe zu erhalten und zu verbessern, Stichwort Gesundheit. Dafür ist Kontrolle notwendig. Jetzt kann man sich fragen, warum man bestimmte Eigenschaften erhalten sollte…. Die Antwort ist so simpel wie komplex: Hunde sind Nutztiere und wenn ich Hunde für ein bestimmtes Aufgabengebiet nutzen möchte, brauche ich bestimmte Eigenschaften. Denken wir zum Beispiel an die Molosser (Doggenartige). Molosser wurden als Kriegshunde schon vor Jahrtausenden eingesetzt. Sie töteten zuverlässig gegnerische Soldaten. Später nutzten Adlige sie für die Jagd auf Wildschweine und Hirsche. Die Herren von Sachsen hatten vor vierhundert Jahren Doggen, die so scharf waren, dass sie bei Jagdgesellschaften Reiter und Pferde fingen und töteten. Der Schäferhund hatte bis vor kurzem noch die Aufgabe des Hüters und Schutzhundes. Wir sollten uns hier dringend klarmachen, dass sich Genetik, und damit Wahrnehmung und Aussehen unserer Hunde, nicht so schnell verändert wie wir uns das für die rosarote Brille unserer Konsumgesellschaft vorstellen.
Alles das ist Hundezucht.
Hundezucht ist also eine kontrollierte Vermehrung innerhalb eines Genpools (Gruppe von Hunden, z.B. Dackel) und schafft damit PLANBARKEIT. Der Vorteil von Planbarkeit ist wahrscheinlich jedem von uns klar. Denn durch geplante Vermehrung bekommen wir keine „Überraschungstüte“, sondern wissen welche Eigenschaften die Welpen aus einer Verpaarung haben werden.
Seriöse Rassehundezucht ist das Gegenteil von „einfach Welpen machen“. In einem kontrollierten System (z.B. VDH/DTK) gibt es:
- Zuchtordnungen
- Mindestanforderungen
- Zuchtwartkontrollen
- Dokumentationspflichten
- klare Regeln zu Alter, Wurfanzahl, Abständen
- und Nachweise zu Gesundheit, Wesen und Standard
Das ist nicht perfekt, aber: 👉 Es ist prüfbar. Und prüfbar heißt auch, dass man Qualität verbessern kann. Sowohl in Hinblick auf Eigenschaften, Aussehen und Gesundheit. Bei einem Dackel aus seriöser Zucht kannst du mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten:
- bestimmtes Größen- und Gewichtsspektrum
- ein rassetypisches Wesen (scharf, mutig, selbstständig, wachsam)
- bestimmte Bedürfnisse (Bewegung, Beschäftigung, Jagdtrieb)
- und einen typischen „Arbeitsstil“ (ja, auch beim Familienhund)
Wenn ich das weiß, hilft es enorm. Es hilft Menschen VOR dem Kauf eine Entscheidung zu treffen, worauf sie sich einlassen. Und damit hilft es auch den Hunden. Denn oft passiert es, dass Hunde an die „falschen“ Frau Herrchens geraten und beide Parteien werden nicht richtig glücklich miteinander. Wenn wir beim Dackel bleiben muss ich mich als zukünftiger Besitzer auch damit auseinandersetzen, dass dieser Hund, dieser kleine süße Welpe, unter Umständen ein sehr aggressiver, Menschen beißender Zeitgenosse werden kann. Denn er verteidigt seine Ressourcen stark, auch gegen Menschen. Und dafür kann er selbst gar nichts. Diese Eigenschaft wurde züchterisch gefestigt, denn man wollte einen verteidigenden Hund! Dasselbe beim Australian Shepherd: süß, mit zwei Augenfarben und Tupfen auf dem langen weichen Fell…. dabei wird vergessen, dass der Shepherd nichts anderes ist als die australische Variante des Schäferhundes. Anderes Aussehen bei sehr sehr ähnlichem Inhalt. Dass das zu Problemen führen kann, logisch.

Bild: Axel Seidemann
Schauen wir uns jetzt die Mischlinge an. Mischlinge sind nicht nur in ihrem Aussehen gemischt, wir wissen auch häufig nicht mit welcher Wahrnehmung sie ihre Welt betrachten. Und ganz klar: die Wahrnehmung eines Labradors ist anders als die eines Schäferhundes. Wenn ich jetzt beide gemischt habe, muss ich gucken wann was zum Tragen kommt. Entscheidende Gedanken für Leute, die sich einen Hund aus dem rumänischen Tierschutz kaufen. Hier haben wir im Grunde genommen eine spannende Sache: in Rumänien wird nicht konkret gezüchtet, aber es gibt unfassbar viele Hunde, die für die Arbeitsrichtungen hüten, wachen, schützen gebraucht werden. Verpaaren sich Elterntiere mit dieser Wahrnehmung wild, bekomme ich unter Umständen eine immer deutlichere Verschärfung dieses Wahrnehmungsstils. Das Ergebnis sind nervöse, zu beißen und zwicken neigende Hunde. Fehlt hier in den ersten Lebensmonaten die Prägung auf den Menschen, kann es RICHTIG schwierig werden mit der Integration in eine deutsche Familie.
Bei der Gesundheit kann es dann auch zu einer negativen Dopplung kommen bei Mischlingen. „Mischlinge sind automatisch gesünder.“, das stimmt so pauschal nicht.
Die Wahrheit ist:
- Ein Mix kann supergesund sein.
- Ein Mix kann aber auch zwei Problem-Pakete gleichzeitig erben.
- Und oft weiß man schlicht nicht, was drin steckt.
In seriöser Zucht dagegen kann man:
- Gesundheitsdaten sammeln
- Linien beobachten
- Erkrankungen dokumentieren
- Risiken gezielt reduzieren
- Verpaarungen bewusst planen
Und ja: Auch Rassen haben Probleme. Und zwar starke Probleme. Nehmen wir noch mal den Schäferhund. Bei ihm war jahrzehntelang das Ideal eine stark abgeflachte Kruppe, sodass der Hund von der Seite her wie ein Dreieck aussah. Das hatte selbstverständlich massive gesundheitliche Probleme für die Hunde zur Folge. Auch stark nervöses, hibbeliges Wesen, wie es oft bei Arbeitslinien vorkommt, muss dringend züchterische Beachtung finden! 👉 In seriöser Zucht muss man sich damit auseinandersetzen. Und klar thematisieren. Als Dackelzüchterin mit Arbeitshunden muss ich mich zum Beispiel stark mit den Themen Wesen und Dackellähme auseinandersetzen. Zuchtvereine MÜSSEN hier eine logische Selektion von Zuchthunden betreiben. Leider sehr sehr oft ein Politikum innerhalb der Interessensgemeinschaften.
Am Ende des Tages ist Rassezucht auch eine Form von Kulturerhalt. Meinen Dackel gibt es schon seit Jahrhunderten und seine Ursprünge liegen in den Hunden der Kelten.
02 VDHDTKMRKFCIVSP…Ohjemine!
Wer sich mit Hundezucht etwas tiefer befasst, der kommt an diesen Abkürzungen nicht vorbei: FCI und VDH. FCI bedeutet Federation Cynologique Internationale und ist ein Welt-Dachverband für die Hundezucht. Hier werden Hunderassen als Rassen anerkannt und beschrieben und darüber gewacht, dass diese Standards bei der Zucht eingehalten werden. Neben der FCI gibt es noch zwei weitere weltweit agierende Dachverbände für die Hundezucht. Kontrollinstanz Nummer 1.
Wo ein Weltverband ist, ist ein Landes-Dachverband nur logisch. Bei uns in Deutschland ist das der VDH – Verband für das deutsche Hundewesen. Hier werden Zucht und Prüfungen von allen Hunderassen geregelt und mit dem Tierschutzgesetz in Einklang gebracht. Kontrollinstanz Nummer 2. Dem VDH angeschlossen sind die einzelnen Hundezuchtvereine, zum Beispiel der SV Schäferhunde Verein, DTK1888 Deutscher Teckelclub oder der DRC Deutscher Retriever Club. Diese Zuchtvereine müssen sich an die Vorgaben zur Hundezucht in Kombination mit dem Tierschutzgesetz halten und bei ihren Mitgliedern, den Züchtern, durchsetzen und kontrollieren. Hundezüchter wird man also in einem Zuchtverein. Kontrollinstanz Nummer 3. Und Hundezüchter, die mehr als 2 Hündinnen haben, müssen sich vom Veterinäramt zusätzlich kontrollieren lassen. Kontrollinstanz Nummer 4.
Soweit, so schön. Machen wir einen kurzen Schwenk über die Vereine. Es gibt viele viele Zuchtvereine, die sich nicht unter dem Dach des VDHs befinden und damit auch nicht unter dessen Aufsicht und Kontrolle. Das ist für Welpenkäufer ein großes Problem. Denn: einen Verein kann eine Gruppe von sieben Leuten gründen. Wenn sieben Leute alle dasselbe Ziel haben, zum Beispiel viel verkaufbarer Hundenachwuchs in kurzer Zeit unter dem Schirm eines „Zuchtvereins“, ist das für den Verbraucher erst einmal nicht erkennbar. In diesen Vereinen dürfen Hündinnen oft bereits mit 12 Monaten den ersten Wurf haben, es gibt keine Zuchtstättenkontrolle und keine Gesundheitskontrolle. Die Welpen kosten genauso viel wie von einem VDH-Züchter und werden mit Papieren eines Zuchtvereins abgegeben. Deshalb hier schon mal direkt der Tipp: nur wo VDH draufsteht ist auch echte Kontrolle drin! Es gibt auch Zuchtvereine, die sich nicht dem VDH angeschlossen haben, ABER dessen Kontrollinstanzen in ihre Zuchtstatuten aufgenommen haben. Gut. ABER, will man später mit dem eigenen Hund an Turnieren, Prüfungen und Ausstellungen teilnehmen wird hierfür die VDH-Ahnentafel verlangt. Blöd.
Und dann gibt es natürlich noch die vielen Welpen, die von der Studentin zu Corona-Zeiten in der WG „gezüchtet“ wurden und über Anzeigen für 2000 EURO an bedürftige Käufer verkauft wurden. Sie sahen soooo niedlich aus. Später stellt man fest, dass die Mischung aus einem Ridgeback und einem Labrador vielleicht doch kein guter Plan war.
Bei der FCI/VDH – Zucht gilt:
- du kannst Stammbäume einsehen
- du kannst Linien vergleichen
- du kannst Ahnen anschauen
- du kannst prüfen, welche Hunde wie alt geworden sind
- du kannst Nachzucht bewerten
Das ist ungefähr so:
- „Ich hab ein Auto gekauft, keine Ahnung ob der Tacho stimmt“
und - „Ich habe Serviceheft, Historie, Vorbesitzer, Inspektionsberichte“
Klar, kannste auch mit fahren, kann auch gut sein. Mit dem anderen kannste auch fahren und auch da geht trotz Kontrolle was kaputt. Der Unterschied ist totaler Nebelflug oder nicht, und, was will ich für später?
03 Die eigene Zuchtstätte
So, die eigene Zuchtstätte, wenn man plant selbst Züchter zu werden. Wenn man das will muss man Mitglied sein in einem Rassehundeverein. Bei mir ist das der DTK 1888 e.V. Bei seinem Verein muss man dann einen Antrag stellen auf die Anmeldung eines Zwingers, in meinem Fall ist das „von der Scherfaue“. Alle Welpen aus meiner Zucht heißen dann „XY von der Scherfaue“.
Nachdem man also die Papiere ausgefüllt hat, meldet sich der Gruppenvorsitzende und der Zuchtwart an, um die zukünftige Zwingerstätte zu kontrollieren. Der Zuchtwart ist die Person, die ein Auge auf die Zucht innerhalb einer Ortsgruppe oder Landesgruppe hält und sich regelmäßig mit den Kollegen und den Vereinsvorsitzenden austauscht. Alles ehrenamtlich, wohlgemerkt.
Diese beiden kommen dann zu einem nach Hause und prüfen das theoretische Wissen des Zukunftszüchters. Vorher muss man noch Seminare besuchen die sich mit dem Thema Hundezucht, Welpenaufzucht usw. beschäftigen. Das eigene Haus als Zuchtstätte muss Bedingungen erfüllen, wie: viel Auslauf, Welpen müssen warm und sicher mit Tageslichtfenstern untergebracht werden mit Anschluss an die Familie. Alle Hunde müssen geimpft und gechipt sein und in guter Kondition.
Erst, wenn das alles stimmt, bekommt man seinen „Zwinger“ – also die Berechtigung, Hunde unter einem bestimmten Namen an diesem Ort zu züchten.

Bild: Bianca Stahl
04 Zuchtzulassung
Ok, jetzt haben wir einen Weltverband, einen Landesverband, einen Zuchtverein und dürfen einen Zwinger führen. Hoffnungsfroh halten wir unseren Rüden oder unsere Hündin in den Händen und denken „Jo, jetzt kanns losgehen!“. Pustekuchen. Denn jeder Hund, mit dem gezüchtet werden soll, muss eine Zuchtzulassung erhalten. Erst dann darf man züchten. Und da wir ja in einem VDH-Verein züchten, darf eine Zuchthündin nicht jünger als 18 Monate und nicht älter als 8 Jahre sein und zwischen jedem Wurf muss ein Jahr Ruhepause liegen! Ansonsten drohen empfindliche Strafen.
Puh, ok, Zuchtzulassung. In meinem konkreten Fall heißt das, dass jede meiner Hündinnen zu einem Formwert gehen muss. Dort wird kontrolliert, ob das Aussehen typisch ist für die Rasse und ob das Aussehen meines Hundes dem Rassestandeard entspricht. Sähen meine Dackel aus wie French Bulldogs, könnte ich eine Zuchtzulassung vergessen. Ok, dann wird noch kontrolliert, ob alle Zähne vorhanden sind und das Gebiss normal entwickelt. Es wird geschaut, ob sich der Hund gut und flüssig bewegt und ob seine Haxen gerade stehen. Beim Dackel wird auch immer die Rute abgetastet, ob Wirbel in der Rute miteinander verwachsen sind. Stimmt hier einer der Punkte nicht, gibts keine Zuchtzulassung.
Nach dem Formwert muss der Hund Prüfungen vorweisen. Die Mindestanforderung ist hier die Begleithundeprüfung in der Wesen und Trainierarkeit festgestellt werden. Darüberhinaus gibt es viele Arbeitsprüfungen, die man mit den Zuchthunden absolvieren kann, bzw. muss. Hier wird der „Nutzen des Nutztieres Hund“ geprüft. Fällt ein Hund durch die Prüfung, kann er nicht zur Zucht zugelassen werden. Parallel zu diesen Prüfungen kommen die Gesundheitschecks. Der Dackel muss komplett wirbelsäulengeröntgt werden, die Augen untersucht und es müssen Gentests gemacht werden um genetisch bedingte Krankheiten auszuschließen. Fehlt ein Zahn oder ist zeigt das Röntgenbild Auffälligkeiten, gibt es keine Zuchtzulassung.
So, damit hat das ganze Projekt schon mal einen anderen Rahmen bekommen: es wurde viel Zeit, viel Mühe und viel Geld in einen potentiellen Zuchthund vom Züchter investiert. Nix mit mal eben…
05 Welpen machen!
So, endlich ist es soweit! Wir können endlich Welpen haben – Juchhuuuu!
Dafür müssen wir die Ahnentafel unseres Hundes gut kennen, denn selbstverständlich müssen wir auf den Verwandschaftsgrad der Tiere untereinander achten. Die Verwandschaft darf maximal 12,5 % betragen.
Ok, angenommen ich habe jetzt eine Hündin mit der ich züchten will. Dann muss ich mir mein Jahr planen, denn ich muss den richtigen Zeitpunkt für das Decken beachten, also auf die Läufigkeit warten und die Läufigkeit beobachten, ggfs Tests beim Tierarzt machen wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um meine Hündin dem Rüden vorzustellen.
Dann muss ich zum Rüden fahren. Wohnt der um die Ecke? SELTEN. Oft wohnt der sogar irgendwo im Ausland. Also hinfahren, Hotel buchen, denn man lässt die Hunde zwei Deckakte machen. Ungewiss, ob der Deckakt funktioniert. Funktioniert auch oft nicht, oder die Hündin wird nicht tragend.
Gut, wieder heim düsen und warten. Währenddessen schon mal die Homepage pflegen und mit potentiellen Käufern Kontakt aufnehmen. Und diese selektieren, denn man will seine Welpen „nicht an jeden abgegeben“. Da muss viel gesprochen werden.
Die Hündin ist tragend – schön! Die Hündin muss gut ernährt werden, braucht Ruhe und viel Bewegung. Kurz vor Ende der Trächtigkeit muss einmal geröntgt werden, denn: man muss ja wissen wieviele Welpen zu erwarten sind, damit man erkennen kann, ob die Geburt gut forstschreitet oder nicht, und, ob noch jemand fehlt oder nicht, während die Geschwister schon geboren sind. Röntgen ist die zuverlässigste Methode.
Dann die Geburt. Nervenkrieg. Bleiben alle gesund? Schafft die Hündin das? Kommt einer tot zur Welt? Erkenne ich das? Wann muss ich den Tierarzt rufen? Muss ich helfen? Trinken alle? Gibt es offene Gaumenspalten, nasse Näbel, nicht geschlossene Köpfe? Und glasklar: die Geburt ist immer nachts. Und nimmt keine Rücksicht auf den folgenden Tag oder Familienalltag oder darauf, ob der Züchter gerade ein Wehwehchen hat.
Seriöse Züchter übernehmen Verantwortung über den Verkauf hinaus
Ein guter Züchter macht nicht: „Hier ist der Welpe. Viel Glück.“. Ein guter Züchter macht:
- Beratung vor dem Kauf
- Auswahl passender Käufer
- Hilfe bei Problemen
- Rücknahme, wenn es hart auf hart kommt
- lebenslange Ansprechpartnerrolle
Und natürlich liebt er seine Hundekinder und natürlich will er das Beste für sie und natürlich zieht er sie gut groß! Und das ist ein Punkt, der massiv unterschätzt wird.
Vor der Abgabe werden natürlich alle Welpen dreimal entwurmt, bekommen sie natürlich gutes Futter und hunderte Streicheleinheiten. Natürlich werden sie vom Tierarzt kontrolliert, geimpft und gechipt und natürlich kommt vor der Abgabe noch der Zuchtwart, kontrolliert alle Welpen und alle Hunde auf dem Hof, trägt alle Ergebnisse ein und sendet sie dem Zuchtverein zu, damit die Ahnentafeln ausgestellt werden können.
Natürlich können die Welpenkäufer ihre Hundekinder besuchen und natürlich fährt die komplette Züchterfamilie in dieser Zeit höchstens zum Einkaufen, aber nirgendwo sonst hin.
06 Fazit
Rassehundezucht ist eine gute Idee, wenn sie sich an einem Ziel orientiert: gesunde, wesensfeste, rassetypische Hunde, mit nachvollziehbarer Herkunft, unter Regeln, Kontrolle und Verantwortung.
Und man sieht, dass Hundezucht für den Züchter eine riesige Verantwortung darstellt UND ein großes Risiko. Am Ende steht ein Welpenpreis von 1500,- bis 2500,- Euro. Die Kosten für den Wurf, ohne einen Kaiserschnitt, belaufen sich auf ca. 2000 – 3000 EURO, zzgl Zuchtzulassung der Hündin und Versorgung über das komplette Jahr und, egal wie viele Welpen es werden. Und am Ende steht selbstverständlich das Finanzamt und will seinen Teil.
Seriöse Zucht versucht zu verhindern, dass Massen von Hunden geboren werden, die später bei Haltern landen die nicht mit den Tieren umgehen können oder sie schlecht versorgen. Damit hilft Zucht auch dem Tierschutz, denn es werden Käufer selektiert (was Fehlkäufe verringert), Käufer aufgeklärt und begleitet und Hunde zurück genommen oder durch den Züchter weiter vermittelt.
Ein Mensch, der gezielt einen VDH-Hund kauft und gut betreut wird, landet statistisch deutlich seltener mit dem Hund im Tierheim.
Das Problem von Hunden sind Menschen, die schnell „billig“ kaufen wollen, weil sie sich einfach nicht zurück halten können. Aber um es ganz offen anzusprechen: auch Hunde aus dem Ausland zu importieren um sie hier glücklich zu machen, ist zwar ein sehr edles Motiv. Tut im Grunde aber dem Tierschutz schlecht, denn es ist eine kurzfrsitige Lösung, um die sich bereits ein großer Markt entfaltet hat. Es müssten andere Hebel in Bewegung gesetzt werden, um langfristig Tötungsstationen und Riesenshelter zu verhindern. Aufklärung der Bevölkerung und Kastrationsprogramme helfen den Tieren am meisten!
Zum Schluss: Hundezucht ist also nichts um Geld zu verdienen, sondern ein sehr anspruchsvolles, wunderschönes, staatlich- und vereinskontrolliertes Hobby. Wenn man DAS gewinnbringend machen wollte, müsste man tatsächlich viele Zuchthündinnen halten. Geschätzt wäre die Sache ab 10 aktiver Hündinnen tragfähig.

Bild: Axel Seidemann
Falls du noch Fragen hast, meld dich 🙂 In diesem Sinne: euch und euren Hunden eine gute Zeit!
Liebe Grüße, Bianca

Hi, ich bin Bianca!
Seit 2007 züchte ich Hunde, ich habe Bio studiert und diesen Lernort "Hund" gegründet. Neben den Hunden und dem Schreiben ist Biologie - die Lehre von lebenden Systemen - meine heiße Leidenschaft! Verantwortungsvolle Hundehaltung beginnt mit Wissen! Ich will, dass du informierte Entscheidungen für deinen Hund und dich treffen kannst. Deshalb erkläre ich hier wissenschaftliche Erkenntnisse und helfe dir bei der Einordnung.
Bis demnächst, deine Bianca

