„HUNDESCHULE is doch Scheiße, Frau Stahl!“

Bild: iStock Photo

Oha! Tja, das ist ja mal eine Ansage von einem Kunden. Aber ganz ehrlich – recht hat er. Was sollte man anderes antworten, als: „Ja, stimmt.“ Was?? Denkst du jetzt vielleicht. Aber lass mich dir im nachfolgenden Artikel aufführen, warum ich meinem Kunden zustimmte und warum er nachher doch begeistert in die Hundeschule kam 😉

01 Warum die Aussage stimmt

Kunde aus Frankfurt am Telefon: „Also, ich habe einige Probleme mit meinem French Bulldog-Rüden. Aber ich melde mich nur bei Ihnen, weil ein guter Freund mir dazu geraten hat. Denn, Hundeschule is doch Scheiße, Frau Stahl!“, ich: „Mmh, was soll ich dazu sagen?! Ich gebe Ihnen völlig recht – Hundeschule IST Scheiße. Zumindest, wenn man unter Hundeschule das versteht, wie sie im allgemeinen betrachtet wird: da sind Hundetrainer, die nach irgendeiner Ausbildungsmethode oder einer Trainingsphilosophie XYZ beraten und anleiten. Das geschieht meistens ohne die Vermittlung von grundlegendem Basiswissen. Denn, seien wir mal ehrlich, das fehlt einfach.“

So begann eine erfrischende, lustige und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen mir und dem Hundeschulskeptiker aus Frankfurt a. M.

Hundeschule ist nicht gleich Hundeschule. Und man muss sich eins klarmachen: seit Martin Rütter ist Hundeschule eins – eine Freizeitindustrie. Ganz klar, man muss Martin Rütter dankbar sein, denn ohne sein Wirken gäbe es Hundeschulen nicht oder nicht in dem aktuellen Format. Wenn ich richtig informiert bin, war das Bestreben von Martin Rütter die Lücke zu schließen zwischen den Bedürfnissen eines „normalen, unambitionierten“ Hundehalters und dem Sporthundesystem. So weit, so gut.

Was sehen wir, wenn wir unseren Blick über die Landschaft „Hundeschule“ schweifen lassen? Wir sehen vor allem Inkompetenz. Unwissenheit auf seiten der Trainer. Wir sehen Leckerlis en masse. Wir sehen Vermenschlichung. Unterschiedliche TRAININGSMETHODEN mit zweifelhaftem Ansatz. Das Fernsehen. Wir sehen vor allem auch eine riesige Masse an Hundeschulen und eine Masse an Social Media-Auftritten mit einer Unzahl von Aussagen und Meinungen. Kurzum: der Kunde, also DU, wird geflutet mit Aussagen, Meinungen, Methoden. Die nicht fundiert und meistens falsch sind. BÄHM!

02 Hundeschule, oder was?

„MEINE GÜTE“, denkst du dir jetzt vielleicht. Warum trage ich denn dann da mein Geld, meine Zeit, mein Vertrauen hin? Ja, genau DAS ist die Frage. Und die ist die Antwort auf die Aussage meines lieben Kunden aus Frankfurt. Denn genau das fragte er sich auch und lehnte deshalb den Besuch in einer Hundeschule für sich ab.

Was ist die AUFGABE einer Hundeschule? Ganz simple Antwort: es gibt dich und es gibt deinen Hund und es gibt ein Ziel. Eine Hundeschule, bzw. ein Trainer, muss also ein großes Wissen und Einfühlsamkeit für Menschen haben, Punkt 1. Punkt 2, er muss ein großes Wissen über den Hund im allgemeinen und deinen Hund im speziellen haben und sehr einfühlsam sein. Und er muss in der Lage sein beide Parteien, dich und deinen Hund, zum Ziel zu führen. Das funktioniert nicht immer, aber es ist die Pflicht des Trainers das Maximum zu geben und dich so kompetent zu machen, damit du nach dem Training KEINEN TRAINER MEHR BRAUCHST.Das ist die Trainerseite, du bist die andere. Ich erlebe oft, dass das was ich sage nicht zur Wahrnehmung des Kunden passt. Und hier liegt die größte Hürde -kriegen wir ein Techtelmechtel hin? Also, du und ich…

Kommen wir ganz kurz zurück zu den Anfängen von Herrn Rütter. Der stellte vor 30 Jahren fest: das Bedürfnis von Hundehaltern wird durch Hundesportvereine nicht gedeckt. Womit er völlig recht hatte. Aber, was ist mittlerweile passiert? Hundetrainer arbeiten mit METHODEN, die auf Trainingsansätzen aus dem Hundesport beruhen (siehe z.B. die Doguniversity), aus Lernbiologie (siehe positive Verstärkung) und aus irgendwelchem alten Wissen über Hunde. Ohne um den heißen Brei zu reden: das ist idiotisch.

Bild: iStock Photo

Die Leckerli-Tasche an der Hüfte des Trainers: kein gutes Zeichen für ein lösungsorientiertes Training mit Ziel Verhaltensänderung! Das gehört in den Spiel und Spaß – Sektor.

Seit vielen Jahren haben Hundeschulen verstanden, dass sie nicht nur als Problemlöser fungieren können, sondern auch als Freizeitgestalter. So bieten die meisten Hundeschulen auch sehr viel aus dem Bereich Spiel und Spaß an. Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Spiel und Spaß, im Gegenteil. Aber es verwässert sehr die eigentliche Aufgabe von Hundeschule, nämlich das Bedürfnis des Halters und des Hundes nach einer Lösung für das Zusammenleben und die Beziehung zu befriedigen.

Spaß, Spiel und Spannung gehören eher zu den Hundesportvereinen. Dort gibt es Gemeinschaft und Ausbildung in der Beschäftigung. Und alle, die die Ambition haben eine offizielle Prüfung mit ihrem Hund abzulegen, können dies nur vor einem Sachverständigen tun. Diese Sachverständigen (Prüfer) gibt es in den Hundevereinen und nur sehr wenig und nur spezialisiert auf dem freien Markt und nur um die Gefährlichkeit von Hunden zu testen (z.B. Sachverständige für das LHundG NRW). Eine Hundeschule ist ein Wirtschafsbetrieb und darf keine offiziell anerkannten Prüfungen abnehmen.

03 Kriterien für eine gute Hundeschule

Erst einmal stellt sich ja die Frage: was brauchst du? Wenn du mit deinem Hund ein neues Hobby starten willst oder dich mit ihm beschäftigen und sportlich betätigen, rate ich dir dich direkt an einen Hundeverein zu wenden. Du kannst bei Google suchen oder dich hier umschauen.

Wenn du allerdings eine Lösung suchst für deinen Hund und oder dich, dann rate ich dir die Segel zu setzen und ins www zu surfen. Generell gilt: je mehr Wissenschaft drin ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit an das zu kommen, was du suchst. Aber Vorsicht! Im Internet und auch in Büchern werden dir immer INTERPRETIERTE Fakten begegnen. Das verkompliziert die Sache enorm, denn als Nicht-Profi, wie soll man da Fakten von interpretierten Fakten unterscheiden? Schau dir dafür am besten an, was die Person, die du gefunden hast, vor allem für Absichten hat. Es gibt Trainer und Hundeschulen, die marketingtechnisch sehr geschickt sind und dir in erster Linie etwas verkaufen wollen. Beste Beispiele sind die Doguniversity, Martin Rütter und Co. Verkaufen ist ja nichts Verwerfliches an sich, ich will dir auch was verkaufen. Der Unterschied besteht tatsächlich darin, WAS du kaufst. Ein Gütekriterium ist also, wie tief das Wissen des Trainers reicht. Leider bleibt das häufig im Nebel und ist für dich als Kunde nicht einschätzbar. Die Folge ist also, dass du mit einem riesigen Vertrauensvorschuss bezahlst und eine Sichtweise auf deinen Hund entwickelst, die nichts mit der Realiät deines Hundes zu tun hat.

Schau dir also die Internetauftritte eines potentiellen Trainers an. Was steht auf der Angebotsliste und der Beschreibung? Formulierungen mit: positive Verstärkung und traumasensiblem, druckfreiem Training, respektvoll, Belohnung, Motivation und positives Lernen oder „Begleitete Spielgruppe“, „Sozialisierungsgruppe“, also Gruppenangebote die Spielen und Sozialisierung miteinander verbinden – alles das ist mit Vorsicht zu genießen. Warum? Weil das nichts mit der Realität deines Hundes zu tun! Vielmehr sind das Angebote für DICH, den Menschen, denn was suggerieren dir diese Angebote? Eben: rosa Blümchen, konfliktfrei, Spaß, Spiel, Belohnung, psitiv und gaaanz viele Leckerlis. Und, alles ist gut, denn dein Hund bekommt hier was er braucht…. Falsch. DU bekommst, was DU brauchst. Für deinen Hund bedeutet diese Brille, durch die du ihn betrachtest, meistens enorm viel Stress und führt nicht selten zu enormen Schwierigkeiten im Alltag: Hundekontakte sind schwierig, alleine bleiben auch und der Hund zieht wie Bolle.

Also, wenn du eine Hundeschule suchst, dann versuche herauszubekommen, ob der Trainer Ahnung hat von dem was er tut: Berufsausbildung, Studium. Eine Ausbildung zum Hundetrainer ist in Deutschland übrigens keine staatlich anerkannte….das zählt also nicht! Ist die Seite seriös? Arbeitet der Trainer nach einer bestimmten Methode (meistens nicht gut)? Stell dich und deinen Hund vor und schildere deinen Wunsch. Welche Lösung wird vorgeschlagen?

Und last but not least: sei dein eigener Trainer! Bilde dich weiter! Investiere in dich! Lese, finde gute Onlinekurse, schau dir den Betrieb in einem Verein an, geh zu Seminaren – bilde dich!

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner